CRISIS AND FORM / KRISE UND FORM

Die Formen der Krise und ein Versuch der Nachempfindung

 

Das Scheitern am Ich kann als Katastrophe enden. In der akuten Krise der Psyche erlebt das Ich einen Einbruch: nichts ist mehr sicher. Es genügt nicht zu sein. Anarchie der Empfindungen. Das Sein in der Krise ist ein Sein der Zerissenheit, Auflösung, Formlosigkeit. Die Krise macht amorph. Und die Zeit? Rasender Stillstand. Zähe Masse. Spaltung. Dynamischer Verlust des Gleichgewichts, der Verlust des inneren geometrischen Ortes. Höchste Unordnung. Schuldiges Subjekt. Die Frage zum Sinn: Sind dies innerliche, bloße Kollektivzustände der Natur, die erst in der akuten Krise ausbrechen und bewusst werden? Das Unbewusste ist dunkel, sagt man. Ein fragiles Selbst geworfen in eine Dauerkrise, eine Daseinskrise, welche am ehesten als das Leben bezeichnet werden kann. Der Versuch der Stabilisierung des Daseins über die Form: Wie kann die subjektiv gefühlte Krise in eine allgemeine, in eine kollketive Form gebracht werden? Objektivität schaftt Verbundenheit, darüber ist man sich nicht einig. [...] Ist K, die Kritikalität kleiner als 1 droht Energieverlust, die Dunkelheit ist expansiv, unterkritischer Zustand, Krisenlosikeit ist kollektives Scheitern, ist Leblosigkeit? Ist K gleich 1 bleibt die Generation konstant kritisch; fließendes Dasein. Arrata, Arrata. Eine Psychopathologie, die selten auffällt. Ist es das, was als Krise von Dauer bezeichnet werden kann: sich einrichten im sinnlosen Sein. Leid tragen. Die permanente Krise als Vorraussetzung gegenwärtiger Existenzweisen: Die Kritische Masse, ein elementares Übel. Und Ordnungsfremd? K größer als 1 ist überkritisch. Auf grellste Art übersteigert. Manie. Explosionsartige Vermehrung. Die Generation wird zähe, überkritische Masse; prompt katastrophale Ausuferung bis zur Selbstzerstörung. Leerformel. Zerfall. Ein Wunschtraum?

 

Mila Softic

 

 

Dieser Text wurde im Rahmen des Symposiums "Krise als Form. Revisionen zur Geschichte der Gegenwart" erstellt und publiziert. Universität für Angewandte Kunst Wien, 2017.

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