HOME IS A WICKED THING, SAYS THE NERVOUS HEART

Da war einfach das körperliche Gefühl der Leere, die sich bereits in der Brust auftat, als würde die Luft angehalten und der Atem stillstehen. Für mich war und ist es auch heute ganz und gar unmöglich, in dieser Leere das Organische, das Symbolische, das Imaginäre auseinanderzuhalten, und das Durchgängige vom Unterbrochenen zu unterscheiden. Es war wie ein einziger Hauch, ein einziger Seufzer, ausgestoßen in einer bereits unmerklich geöffneten Höhle. Eine einzige Vorstellung: Über Bord gehen und zugleich an Deck bleiben. (Jean-Luc Nancy)

 

Als sein Herz zum Eindringling wurde, setzte sich der Philosoph Jean-Luc Nancy mit Identität auseinander. Eine Herztransplantation war also notwenig, um die Spaltung zwischen Selbst-Werdung und Selbst-Entfremdung sichtbar zu machen.


In Zeiten wie diesen denken Menschen vermehrt über Heimat und Identität nach. Geschieht dies aus der Angst heraus, dieses Vertraute an das Fremde zu verlieren? Die Angst vor dem Verlust, lässt uns wieder an den Mythos "Heimat, wäre etwas zum Anhalten" glauben.

 

Heimat als traumhafte Idylle, als realer Schrecken, als Mittel der Selbst-Werdung und Selbst-Entfremdung, im Herzen, wo sich alles abspielt - durch die Fragilität der persönlichen Geste. Die photographischen Arbeiten* zeigen Ausschnitte der Welt, die als Lichtobjekte wie Reflexionen verarbeitet werden, die tief in die Vergangenheit zurückgehen und Visionen zu Utopien und Dystopien von Heimat eröffnen und zwar im Sinne der zwischen den Fingern zerrinnenden Ästhetik, wie sie Harald Szeemann bezeichnete. Es ist der Versuch bis zur Essenz des individuellen Seins vorzudringen, zu der verlorenen Beziehung zum Unabdingbaren, um zu merken, dass sich unter dem kulturellen Bodensatz Abgründe und Geheimnisse auftun; zum Beispiel die Anziehungskraft des Kollektivs und die Sehnsucht nach Werten, nach der Symbolkraft der Dinge. Eine Ebene darunter lauert noch: Angst. Die Bruchstelle unserer Gesellschaft ist die Aufdeckung der Angst vor dem Verlust des Vertrauten. Oder: Wenn das Vertraute zum Fremden wird, in einer Welt, in der nichts gehalten werden kann, außer vielleicht der wiederkehrende Traum. Oder der unerwartete Stuhldrang während der Sitzung im Büro. Die Bruchstelle ist der Moment, in dem wir etwas Gebrochenes in uns finden. Und was danach kommt, ist ein anderes Thema.

 

*Die Auseinandetrsetuung mit diesem Thema kam nicht gerade plötzlich, sondern hat sich vielmehr aufgedrängt, wie ein Stinkkäfer, der immer wieder auf die nackten Waden krabbelt, obwohl man ihn doch schon drei Mal weggeschnippt hat.

 

Psychoanalytischer Alptraum (Inneres Licht) und andere Lichtobjekte: Zu sehen im Rahmen der Ausschreibung Junge Kunst lädt zur Begegnung ein / zeitgenössische Kunst im magdas Hotel in Kooperation mit der Akademie der bildenden Künste Wien.